Pressemitteilung Trialog der Kulturen

"Trialog der Kulturen"-Schulenwettbewerb

(aus der Pressemitteilung der Herbert-Quandt-Stiftung)
 
So kann Vielfalt im Klassenzimmer gelingen!
Acht Schulen aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland haben am Freitagnachmittag auf einem großen "Markt der Möglichkeiten" Projekte zur besseren Verständigung von Juden, Christen und Muslimen vorgestellt. Die Präsentation im Saarbrücker VHS-Zentrum markiert die Halbzeit im Trialog-Schulenwettbewerb der Herbert Quandt-Stiftung. Im Sommer entscheidet eine unabhängige Jury, welche Schulen mit Preisgeldern ausgezeichnet werden.

Saarbrücken/Bad Homburg, 18. März 2014.
 
"Ich zähle mal mit: Vier, fünf, sechs - erster Schritt nach rechts, mit dem linken Fuß nachziehen, Kick!" Während die Sechstklässlerin Filiz den orientalischen Tanz erklärt, hat sie längst den gesamten Saal des VHS-Zentrums im Griff.  Die Besucher des "Markts der Möglichkeiten" haken sich beieinander ein und brechen in schallendes Lachen aus, als ihnen die Schritte nicht recht gelingen wollen. Der in der Türkei, aber auch auf dem Balkan und im Nahen Osten bekannte Volkstanz "Halay" zeigt eindrucksvoll, wie lebendig der Trialog an der Sophie-Scholl-Gemeinschaftsschule und der Integrierten Gesamtschule aus Dillingen gelebt wird.

Doch das Projekt umfasst noch viel mehr als Musik und Tanz. Ein Blick auf den Stand der Schule verrät, dass alle Jahrgangsstufen von Klasse fünf bis Klasse zehn beim Trialog-Projekt mitmachen. Schüler der Jahrgangsstufe neun etwa haben Arnold Schönbergs Melodram "Ein Überlebender aus Warschau" analysiert und sich mit der Geschichte des Dritten Reichs beschäftigt. Andere Klassen haben Ausflüge zur katholischen Kirche, zur ehemaligen Synagoge und zu einer Moschee unternommen. Die UNESCO-AG der Schule hat Textilien zu verschiedenen Religionen hergestellt.
Besonders eindrucksvoll wirken am Stand die "Heimatkisten", in denen Schüler wichtige Stationen ihres Lebenswegs gestaltet haben. Die Holzkisten haben die Größe von Schuhkartons. Aufeinandergetürmt sehen sie aus wie Zimmer eines großen Hauses. Urlaubsbilder aus Istanbul sind darin zu finden oder der Wimpel des Kanu-Clubs Saarlouis. Filiz hat an der "Decke" ihrer Kiste ein orientalisches Nazar-Amulett befestigt. Der blaue Stein erinnert sie an die Türkei. In der "Heimatkiste" von Rosa finden sich Familienfotos. "Meine Familie ist mir sehr wichtig", sagt die Sechstklässlerin. "Deswegen spielt sie in meiner Kiste eine große Rolle."
 
Nicht nur Heimatkisten haben die Schüler gestaltet. Auch in der Schule wollen sie einen neuen, trialogischen Raum einrichten. Er soll ein Raum der Stille und zugleich ein Raum der Begegnung werden. "Die Einrichtungsgegenstände werden wir selbst herstellen", erzählen die Schüler.
Seit 2005 schreibt die Herbert Quandt-Stiftung jährlich den "Trialog der Kulturen"-Schulenwettbewerb aus. Insgesamt 22 Schulen aus Bremen, Hamburg, Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland hat die Jury zu Schuljahresbeginn in den Wettbewerb 2013/2014 aufgenommen. Jede Schule hat zunächst ein Startgeld in Höhe von 3.500 Euro erhalten, um ihre kreativen Projektideen verwirklichen zu können. Zum Ende des Schuljahres entscheiden die Juroren über die besten Beiträge  und vergeben weitere Preisgelder in Höhe von insgesamt 60.000 Euro zur nachhaltigen Verankerung des Trialogs an den Schulen. Der "Markt der Möglichkeiten" gibt den Schulen zur Halbzeit des Wettbewerbs die Möglichkeit, sich gegenseitig kennenzulernen und ihre Projekte der Jury vorzustellen. Die feierliche Preisverleihung der laufenden Runde findet am 9. Oktober 2014 in Bad Homburg vor der Höhe statt.
Noch bis 30. April 2014 können sich interessierte Schulen aus den fünf teilnehmenden Bundesländern für die kommende Runde 2014/2015 bewerben.
Weitere Informationen unter: www.trialog-schulenwettbewerb.de.

Trialog der Kulturen

Landrat Projektpate der Sophie-Scholl-Gemeinschaftsschule 
beim Wettbewerb „Trialog der Kulturen“

Landrat Patrik Lauer (Mitte) informiert sich in der Sophie-Scholl-Gemeinschaftsschule in Dillingen über das Projekt „Trialog der Kulturen“. pdl/Foto: Brigitta Schneider

Kreis Saarlouis (pdl) Schon Gottfried Ephraim Lessing griff in seinem 1783 in Berlin uraufgeführtem Drama „Nathan der Weise“ den Toleranzgedanken auf und versuchte deutlich zu machen, dass keine der drei großen monotheistischen Weltreligionen - Christentum, Judentum, Islam – den Anspruch erheben sollte, die einzige, richtige und wahre Religion zu sein. Die Toleranzidee zur Forderung einer Duldung aller Konfessionen im Zeitalter der Aufklärung ist auch ein Grundgedanke des bundesweiten Schulwettbewerbes „Trialog der Kulturen - Mensch, Kreatur, Natur – was sagen Judentum, Christentum und Islam?“ der Herbert Quandt-Stiftung. Zwei Schulen aus dem Landkreis, das Gymnasium am Stadtgarten in Saarlouis und die Sophie-Scholl-Gemeinschaftsschule Dillingen, beteiligen sich an dem bundesweiten Wettbewerb. Die Sophie-Scholl-Gemeinschaft-Schule konnte Landrat Patrik Lauer als „Projektpaten“ gewinnen. In dieser Eigenschaft besuchte der Landrat die Schule und informierte sich über die einjährige Projektphase.
Drei Sechser-Klassen präsentierten im Beisein von Schulleiterin Ruth Breuer und den Schülersprechern Jana Müller und Pascal Woll, die ersten Arbeitsschritte, die sie mit den projektbetreuenden Lehrern Anne Wilhelm, Ute Steinkönig und Timo Kochems erarbeitet haben. Sie berichteten über den Besuch der ehemaligen Synagoge in Wallerfangen, der  Dillinger Moschee und der katholischen Kirche Maria-Trost in Dillingen und zeigten sich sehr diskussionsfreudig. Die Schüler bekräftigten, dass das Wissen über die Religion der Mitschüler ihnen nun eine neue Sichtweise eröffnet. „Wir kannten zwar einige ihrer Religionsfeste, verstehen nun erst, warum sie gefeiert werden“, erklärte eine Schülerin. Auch das Verhalten Andersgläubiger sei nun besser nachvollziehbar, meinte ein Junge. Landrat Lauers Aussage, dass ein Blick in die Geschichte zeige, dass sehr viele Kriege wegen des Religionsunverständnisses geführt worden seien, und das Wissen über Religionen, Vorurteile abbaue und zu einem besseren Verständnis und Miteinander führe, bejahrten die Sechstklässler einmütig. Bislang hatten die Schüler erarbeitet, dass die Religionszugehörigkeit in direkter Verbindung mit dem Herkunftsland der Mitschüler steht. Nun gelte es die „Wurzeln“ zu ergründen, erklärte Lehrer Timo Kochems. Die in der Arbeitslehre gebastelten Holzkisten stellen sogenannte „Heimatkisten“ dar und werden im weiteren Projektverlauf mit Notizen über die Vorfahren wie auch mit Gegenständen und Erinnerungsstücken von den Großeltern gefüllt. „Da habt ihr eine sehr interessante und auch komplizierte Aufgabe zu lösen, auf deren Ergebnis ich mich freue“, sagte Landrat Patrik Lauer. Er wünschte den Schülern und ihren Lehrer viel Glück bei der Wettbewerbsteilnahme und, dass die von der Quandt-Stiftung erwünschte trialogische Nachhaltigkeit in den Schulallteig einfließe. „Gewonnen habt ihr schon jetzt“, sagte Landrat Patrik Lauer, „denn ihr habt mit dem Wissen über fremde Religionen und Kulturen eine Basis für ein besseres Miteinander gewonnen, die euch dann hoffentlich auch auf dem weiteren Lebensweg begleiten wird.“   
Bislang erhielt die Schule eine Anschubfinanzierung von 3 500 Euro. Das Preisgeld beträgt 60 000 Euro.